Was ist der Giessener Justus?

Der Giessener Justus ist eine lokale Tauschwährung.

Der Giessener Justus als Regionalwährung (lokale Tauschwährung)

Eine Regionalwährung ist eine lokale Währung, die zusätzlich zum offiziellen Geld in einem regionalen Wirtschafts- und Währungsgebiet von teilnehmenden Händlern akzeptiert wird. Es gibt sehr viele solcher Währungen auch in Deutschland, die jederzeit durch eine Eurozahlung erworben und in Euro zurückgetauscht werden können.

Die Motive für die Schaffung solcher Währungen sind vielfältig. Die Initiatoren misstrauen dem offiziellen Geldsystem und möchten außerdem die einheimische Wirtschaft stärken. Sehr gut ist die Motivlage in der Satzung einer dieser Initiativen, dem Justus-Bündnis Hessen, nachzulesen.

Begründung der regionalen Tauschwährung durch das Gießener Justus-Bündnis

Das Justus-Bündnis verwies anlässlich der Einführung der lokalen Tauschwährung “Justus” im März 2004 auf die vielfältigen Probleme Deutschlands mit Arbeitslosigkeit, sinkender Kauf­kraft, steigendem Schuldenstand der Länder und Kommunen sowie Kürzungen von Sozialleistungen. Die Ursachen liegen zu einem großen Teil im bestehenden Geldsystem. Vor allem die börsliche Spekulation mit offiziellen Währungen und deren langfristiges Sparen durch die Bürgerinnen und Bürger schaden demnach der Wirtschaft. Spekulation schafft keine Werte, Sparen entzieht Geld dem lokalen Wirtschaftskreislauf. Das vernichtet auch Arbeitsplätze. Das Justus-Bündnis verwies auf Beispiele in der Geschichte, um das Funktionieren lokaler Tauschwährungen zu belegen. So hatte die österreichische Gemeinde Wörgl 1933 – in einer Zeit enormer Arbeitslosigkeit in Mitteleuropa – eine lokale Tauschwährung eingeführt, um den Geldumlauf zu beschleunigen. Das funktionierte gut unter anderem deshalb, weil das lokale Geld zum Sparen ungeeignet war – es verlor dabei an Wert, im Gegensatz zu Sachwerten wie zum Beispiel Immobilien und Edelmetallen. So funktionieren auch gegenwärtige lokale Tauschwährungen. Der Geldumlauf erhöhte sich damals im österreichischen Wörl durch das lokale Tauschmittel auf das 60-Fache, die Arbeitslosigkeit sank, der Wohlstand stieg deutlich. Nur ein Jahr später begannen viele andere Kommunen in Österreich, dem Beispiel in Wörl zu folgen. Auch das Justus-Bündnis griff die Idee auf und führte den Justus ein, wobei es solche Währungen zu diesem Zeitpunkt schon in anderen Regionen Deutschlands gab. Vorteile und Details waren bei der Einführung:

  • Stärkung der lokalen Wirtschaft
  • Erhalt der lokalen Angebotsvielfalt
  • Inflationssicherheit des Justus’
  • Ausgabe des Justus’ als Gutschein zwischen einem halben und 50 Justus
  • fälschungssichere Justus-Gutscheine
  • Wechselkurs zum Euro beim Start: 1:1,5
  • volle Gültigkeit der Justus-Gutscheine für ein Jahr, danach allmähliche Abwertung

Viele Gewerbetreibende trugen die Idee von Anfang an mit und verwiesen mit Hinweisen an der Eingangstür auf die Akzeptanz des Zahlungsmittels.

Weitere Regionalgelder in Deutschland

Die Liste der gegenwärtig existierenden deutschen Regionalgelder ist lang. Einige von ihnen wurden durch lokale Initiativen erstmals herausgegeben, gelten inzwischen aber überregional, so das Regiogeld, der Minuto und das virtuelle Geld des Community Exchange Systems. Als internationales Forschungsprojekt ist das Gradido Projekt ausgelegt, es bietet ein Grundeinkommen und eine Umlaufsicherung an. Das gibt es auch bei anderen lokalen Tauschwährungen. Hier einige Vertreter:

  • AmmerLechTaler
  • Ampertaler
  • Bergtaler
  • Bethel-Euro
  • Bürgerblüte
  • Carlo (regio)
  • Chiemgauer
  • Donautaler
  • Elbtaler
  • Landmark
  • Lindentaler
  • Oberländer (regio)
  • Sterntaler
  • Weyhe-Stuhr-Syker Regiogeld
  • ZELLER

Diese Liste ist keinesfalls vollständig, sie soll nur die Vielfalt lokaler Tauschwährungen aufzeigen. Die Bewertung von lokalem Geld ist schwierig, denn es bildet sich in der Region ein eigener Währungsraum mit den typischen Merkmalen der Kreditvergabe, Geldhortung und Inflation, auch wenn die Initiatoren solche Phänomene aufbrechen möchten. Auch die Rechtslage muss zumindest als komplex gelten. Einerseits entspricht die Ausgabe eines lokalen Tauschmittels der Vertragsfreiheit nach Artikel 2 Absatz 1 des deutschen Grundgesetzes, andererseits hat auf die Ausgabe fälschungssicherer Banknoten die Europäische Zentralbank das Monopol. Daher nennen die Initiatoren ihre (fälschungssicheren) Geldnoten auch “Gutscheine”. Der positive Effekt auf die lokale Wirtschaft ist indes unbestritten.


Antwort vom - Kategorien: Finanzen, Zahlungsverkehr, Tauschwährung

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