Was ist Vorkasse?

Bei der sogenannten Vorkasse zahlt der Empfänger eines Produkts oder einer Leistung zuerst, bevor er die Ware oder Leistung erhält. Das steht den sonstigen Gepflogenheiten bei Kauf- und Dienstleistungsverträgen entgegen, kann aber sinnvoll sein, wenn:

  • der Käufer aufgrund einer bekannten schwachen Bonität die Leistungen ohne Vorkasse nicht erhalten könnte,
  • die Rechtsposition des Verkäufers schwach ist, weil er beispielsweise Dienstleistungen höherer Art anbietet (Partner- oder Kreditvermittlung sowie weitere Services) und der Käufer im Nachhinein nicht zur Zahlung verpflichtet werden kann,
  • Käufer mit nicht bekannter Bonität zum ersten Mal online kaufen,
  • die Vorkasse Kreditkarten- oder Nachnahmegebühren erspart sowie
  • die Vorkasse durch den Verkäufer mit Rabatten belohnt wird und die Leistung gleichzeitig relativ sicher erscheint (zum Beispiel bei Stromverträgen).

Die Vorkasse bedingt für den Käufer immer ein Risiko. Allerdings ist er juristisch in einer einwandfreien Position, wenn die Leistungen vertraglich vereinbart wurden. Lediglich bei Betrug oder Insolvenz des Verkäufers (und gleichzeitiger Nicht-Lieferung) müsste der Käufer mit einem Verlust rechnen. Umgekehrt trifft jeden Verkäufer bei der üblichen Abwicklung - erst Ware / Leistung, dann das Geld - dasselbe Risiko, denn sein Kunde könnte nicht zahlen.

Vorkasse
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Im B2B-Geschäftbereich ist die Vorkasse oft anzutreffen, bei Privatkäufen erlebt sie aktuell durch den Online-Handel einen großen Aufschwung. Nach § 433 Absatz 1 BGB hat beim Verkauf beweglicher Sachen das umgekehrte Prinzip Vorrang: erst Ware, dann Geld. Diese etwas ältere Rechtsauffassung geht (berechtigt) von einer wirtschaftlich stärkeren Position des Handelsunternehmens gegen seinen einzelnen Kunden aus und bürdet dem wirtschaftlich Stärkeren das größere Risiko auf. Wesentlich ist allerdings der Empfehlungscharakter der Gesetzgebung.

Kaufvertragsrecht ist abdingbar, grundsätzlich können Kaufverträge frei vereinbart werden. Bei Nichtzahlung oder Nichtleistung stehen den Kontrahenten stets juristische Möglichkeiten offen. Daher ist die Vorkasse nicht zu verurteilen.

Private Verbraucher müssen jedoch wissen, dass sie manchmal für Betrugsversuche missbraucht wird. Auch einige halbseidene Geschäfte wie beispielsweise die Partnervermittlung werden per Vorkasse abgewickelt, weil die Anbieter angeblich durch ihre schwache Rechtsposition keine andere Wahl haben. Die Wahrheit ist jedoch, dass diese Dienstleistungen als unsicher bis suspekt gelten müssen, ein Erfolg kann niemals versprochen werden. Wenn die Vorkasse erst einmal beim Anbieter gelandet ist, muss er sich nicht mehr allzu zwingend um eine seriöse Arbeit bemühen. Einige Kreditvermittler versuchen ebenfalls, Vorkasse zu erhalten. Auf diesem Sektor warnen inzwischen alle Verbraucherschützer und Finanzexperten eindringlich davor, Vorkasse zu leisten.


Antwort vom - Kategorien: Finanzen, Zahlungsverkehr, Vorkasse

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