Wie hoch ist der Mindestlohn?

Der Mindestlohn beträgt in Deutschland seit Anfang 2017 brutto 8,84 Euro pro Stunde. Gegenüber dem vorherigen Mindestlohn gab eine Erhöhung um 34 Cent. In Deutschland gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn seit dem 1. Januar 2015. Fast vier Millionen deutsche Arbeitnehmer erhalten diesen Mindestlohn. Er gilt aber nicht durchgehend für alle Arbeitnehmer und Branchen.

In vielen Branchen werden deutlich höhere Mindestlöhne gezahlt, in anderen auch weniger. So darf ein Arbeitgeber bei Saisonarbeitern mit dem Mindestlohn Kost und Logis verrechnen. Diese Arbeitnehmer durften vorher höchstens 50 Tage im Jahr beschäftigt werden, jetzt sind es 70 Tage.

Darüber hinaus gelten für einige Branchen Übergangsfristen bis zum Erreichen des gesetzlichen Mindestlohns, die erst Ende 2017 enden. Ab Januar 2017 müssen aber schon 8,50 Euro gezahlt werden. Betroffen sind etwa Fleischer, Friseure, Leiharbeiter, Wäschereidienstleister, Gartenbauer und Beschäftigte der Textil-, Land- und Forstwirtschaft.

Mindestlohn
Foto: © Gustavo Frazao (bigstockphoto.com)

Wer einen Langzeitarbeitslosen einstellt (Bezieher von Hartz IV), darf weniger als den Mindestlohn zahlen. Azubis, junge Arbeitnehmer in Einstiegsqualifizierungen und Praktikanten haben ebenfalls keinen gesetzlichen Anspruch auf den Mindestlohn, es sei denn, das Praktikum dauert länger als drei Monate und weicht damit von der Studienordnung ab. Dann muss der Mindestlohn von Beginn des Praktikums an gezahlt werden.

Flüchtlinge erhalten den Mindestlohn, jedoch soll der Arbeitgeber nach einem Positionspapier der Koalition künftig davon abweichen dürfen, wenn sich der Flüchtling nachqualifizieren muss. Diese gesetzliche Ausnahme ist noch nicht beschlossen (Stand: März 2017).

Grundsätzlich gilt der Mindestlohn erst ab dem 18. Lebensjahr. Vereine können bei der Bezahlung ihrer Mini-Jobber vom Mindestlohn abweichen. Betroffen sind unter anderem die Trainer von Sportvereinen. Im Einzelfall hängt die Regelung aber von den geleisteten Stunden ab. Bei Sportlern muss der Mindestlohn ab 54 Stunden Tätigkeit im Monat gezahlt werden, wenn sie aus dem Berufssport kommen und es sich um mehr als ein Ehrenamt mit Aufwandsentschädigung handelt.

Beim Mindestlohn sind einige Bereiche noch ungeklärt. Dazu zählt die Frage, ob auf ihn Zulagen angerechnet werden können. Die Gewerkschaften widersprechen, die Arbeitgeber hätten gern so eine Anrechnung. In einigen Punkten gibt ihnen der Gesetzgeber Recht. So ist das 13. Gehalt anrechenbar, es sei denn, es wäre eine besondere Belohnung für Betriebstreue oder eine Urlaubs-/Weihnachtssonderzahlung. Das gilt bisher für die ganz normale, tarifvertragliche Lohnanrechnung und soll nun auf den Mindestlohn übertragen werden.


Antwort vom - Kategorien: Recht & Gesetz, Arbeitsrecht, Mindestlohn

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